Tagesseminar zur Einführung in die Kapitalismuskritik am 13. und 14. März 2010 (Sa 11.30-19 Uhr, So 11-18 Uhr) in Salzburg
Anmeldung unter: gesellschaft@oeh-salzburg.at
Hinweis: Wir empfehlen das Seminar als einen Block, ihr könnt aber auch nur an einem der beiden Tage kommen.
1. Tag: Zum Kapitalismus
„Jeder ist seines Glückes Schmied“, „Armut wird es immer geben“ oder „Die fetten Jahre sind vorbei“. Solchen und ähnlichen Mist muss man sich anhören, wenn Leute das Hier und Jetzt rechtfertigen. Doch: Wie man sich auch anstrengt, wenn's der Chefin oder dem Lehrer nicht gefällt, gibt's eine Sechs oder man fliegt gleich ganz raus; Armut gibt es auf jeden Fall, solange es Kapitalismus gibt; wann die
fetten Jahre für die Arbeiter_innen mal da gewesen sein sollen, konnte uns noch niemand schlüssig darlegen.
Wir meinen, es hängt nicht einfach am Einzelnen, ob er gut durchkommt oder nicht. Da sind wir nicht die Einzigen: Wenn sich aber sonst noch wer stört, dann nur an den besonders harten Auswirkungen dieser Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung: Sei es die eigene Not oder die Bestürztheit über elende Verhältnisse in Afrika. Man erfährt jedoch in Schule, Uni und den Medien jede Menge „gute Gründe“, warum es anders nicht gehen kann und dass wir in der Besten aller möglichen Welten leben. Wir meinen zeigen zu können, dass diese „guten Gründe“ Quatsch sind.
Ohne die Berücksichtigung der kapitalistischen Bedingungen, mit denen diese Gesellschaft funktioniert, wird eine Kritik nur an Arbeitslosigkeit, Rassismus oder Gefängnissen mit einiger Sicherheit daneben liegen. Wir wollen auf diesem Seminar einen systematischen Einstieg in die Erklärung der kapitalistischen Wirtschaftsweise selbst bieten und erklären, worin das Elend dieser Welt seinen Grund hat. Es ist nämlich so, dass die Bedürfnisse und die Produktion so wenig miteinander zu tun haben: Ziel ist in dieser Gesellschaft eben nicht, dass es Leuten gut oder besser geht, sondern dass aus Geld mehr Geld wird. Die Nützlichkeit der Ware ist nur ihr Nebenjob. Jeder Liter Sojamilch, jeder Herzschrittmacher, jede CD, die ich kaufen kann, wenn ich das Geld dafür hab, wird nur produziert, weil damit Geld gemacht wird.
2. Tag: Zur politischen Ordnung
Eine linke Kritik an der bestehenden politischen Ordnung zielt meist darauf ab, dass der Staat einige bedenkliche Einrichtungen zu bieten hat: von Abschiebungen über Knast bis zu Grenzen und Abhöraktionen bietet so einiges Anlass mindestens zur Sorge. Alternativen werden gewälzt und man macht sich einen Kopf, wie man mit Flüchtlingen besser umgehen könnte.
Dass diese aber keine zufälligen Einzelphänomene sind, sondern diese sich der Logik eines jeden demokratischen Staates verdanken, fällt schon weniger Leuten auf. Noch seltener kommt der Gedanke auf, dass nicht nur die abgelehnten Asylbewerber ein Problem haben, weil sie nicht hinein gelassen werden – sondern auch jene, die schon drin sind: die Bürger. Denn sie sind erstmal ganz grundsätzlich dieser demokratischen Herrschaft ausgesetzt und – in der Regel ohne gefragt zu werden – zum Teil einer Nation erklärt worden. Das heißt,
sie müssen sich an alle verpflichtenden Spielregeln halten. So kann ich, nur in ein leerstehendes Haus nicht einfach deswegen einziehen, weil ich eine Wohnung brauche. Sondern ich muss mich mit dem Eigentümer einigen und Miete zahlen. Erstmal ganz sinnvoll, könnte man denken – dabei schließt Eigentum die allermeisten Leute von dem Allermeisten erstmal aus. Diese Eigentumsverhältnisse kann kein Kapital alleine schaffen und aufrecht erhalten – dafür braucht es einen Staat.
Dabei mag noch unangenehm aufstoßen, dass damit so etwas wie Herrschaft verbunden ist. Aber wenigstens gibt es die Demokratie: dort kann sich jeder, dem etwas nicht gefällt, engagieren und für Mehrheiten kämpfen, um seine gesellschaftlichen Ideen zu verwirklichen. Nur: was lässt sich da eigentlich bestimmen und wie? Personen werden gewählt, die für Inhalte antreten, auf die sie nicht verpflichtet sind. Alle dürfen erstmal alles denken und vorschlagen, aber bei der Verwirklichung müssen sie sich auf das Allgemeinwohl festlegen, Haushaltspläne einhalten und immer schon wie eine Politikerin denken.
Wir wollen mir euch diskutieren, was der Staat für Aufgaben wahrnimmt, warum – und was das Prinzip Demokratie ist.
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